Ungarnaustausch 2011

Genauestens eingepasst zwischen Teilnahme am Maientagsumzug und den anschließenden Pfingstferien verbrachten 14 Schülerinnen und Schüler in Begleitung ihres Schulleiters Rüdiger Illig zehn wunderschöne Tage im Rahmen der Städtepartnerschaft Nürtingen  - Soroksár, dem 23. Bezirk von Budapest. Seit April 1996 besteht auf dieser Basis eine intensive Schulpartnerschaft zwischen der Neckar-Realschule, Nürtingen und der Páneurópa Schule, Soroksár. Ließen sich im 18. Jahrhundert von Ulm aus mit den sog. Ulmer Schachteln die Donau abwärts fahrend viele sogen. Donauschwaben zum Wiederaufbau des zerstörten Ungarn von Maria Theresia, der österreichischen Kaiserin ins Land gerufen dort nieder, so wurden in Folge des Zweiten Weltkrieges viele Ungarndeutsche wieder vertrieben. Die meisten siedelten nach manchem Leidensweg wieder zurück in die alte Heimat, u.a. nach Nürtingen und Umgebung. Einige wenige Deutsch sprechende Familien blieben in Ungarn zurück.

An der Páneurópa Schule in Soroksár lernen die Kinder neben Ungarisch entweder Englisch oder Deutsch, so dass sich als Austauschsprache in den Gastfamilien, unter den Schülern und in der Schule - allein sechs Lehrerinnen unterrichten Deutsch, viele verstehen diese Sprache –  durchweg ergibt. Was unsere Schüler immer wieder zum Staunen bringt, ist die Ressourcenlage der ungarischen Schule, die die Fremdsprache grundsätzlich nur in geteilter Klassenstärke von jeweils ca. 12 Schülern intensiv unterrichtet.

Gleich am ersten Tag erfolgte nach dem Unterrichtsbesuch der Empfang auf dem Rathaus beim Vizebürgermeister. Danach besichtigten wir die wunderschöne barocke Dorfkirche und den Heldenplatz von Soroksár. Die Schüler waren sehr erstaunt über die vielen deutschen  Namen der Gefallenen in zwei Weltkriegen.

Am nächsten Tag ging es mit der Vorortbahn ins Zentrum von Budapest. Nach Besichtigung des wunderschönen Opernhauses ging es zum Heldenplatz mit dem Milleniumsdenkmal. Danach ging es mit der Untergrundbahn ans Donauufer wo wir uns donauaufwärts bis zur Margareteninsel die Stadtsilhouette an uns vorbei gleiten ließen: Auf der Budaer Seite waren dies der markante Gellértberg, der imposante Burgberg mit dem Burgpalast, der jetzigen Nationalgalerie, die Matthiaskirche, in der “Sissi” zur Königin von Ungarn gekrönt wurde, die märchenschlossartige Fischerbastei und am Hangfuß die beiden Kirchtürme der barocken St. Annen -Kirche, während auf der Pester Seite das riesige schlossartige Parlamentsgebäude dominierte. Ruhiger wurde der heiße Tag dann auf der Margareteninsel bei einem Spaziergang, beim Eis und für fast alle beim Vollbad in einem  riesigen Brunnen zu den Klängen klassischer Musik.

 

Der folgende Tag führte uns mit dem Bus nach Sopron an den Neusiedler See. Hier besichtigten wir die wunderschön erhaltene und gepflegte Altstadt mit Bauresten aus der Römerzeit, dem Mittelalter, dem Barock bis zum Klassizismus. Anschließend ging es zu den historischen Steinbrücken von deren Gipfel wir einen wunderschönen Blick über den südlichen Teil des Neusiedler Sees mit seinen riesigen Naturschutzzonen hatten. 

Den Abschluss bildete ein Abstecher an die Grenzstation des ehemaligen eisernen Vorhanges bei Sopron, die Gedenkstätte des legendären “Paneuropaischen  Picknicks” am 19. August 1989. Diese Stelle gilt als einer der wichtigsten Vorboten des Mauerfalls, öffneten doch damals die Ungarn als Erste die Grenze in den Westen nach Österreich, was sich unter den vielen DDR-Bürgern herumsprach, die in Ungarn campierten. Die ersten DDR-Bürger reisten legal gen Westen aus.  Die nächste Station war im Oktober 1989 über die Prager Botschaft möglich, dann folgte am 11.11.1989 der Fall der Mauer. Für die Schüler waren das Geschichten aus einer völlig anderen Welt, erfuhren sie  doch nur auf der Rückfahrt nach Österreich eine gezielte Ausweiskontrolle nach einem völlig anderen Personenkreis. Ab 01. Mai 2011 gehört Ungarn als Mitglied zu den Staaten der EU, deren Bürger sich in allen EU-Staaten frei an einen Arbeitsplatz bewerben können. Otto von Habsburg, der damalige Europaabgeordnete des Volksfests von der Paneuropa Union wurde dann zum Namensgeber unserer Partnerschule, der Páneurópa Schule.

Am Folgetag lernten dann die Schüler die weltstädtisch-betriebsame zwei Millionen-Metropole Budapest von ihrer grünen Seite kennen:  Ein Ausflug mit den ganzen öffentlichen Verkehrsmitteln: Vorortbahn, Straßenbahn, U-Bahn, Zahnradbahn, Bus führte uns in den Freigehege Zoopark im Wald von Budakesi und seinem Ansichtsturm. Nach einem Spaziergang klang der Nachmittag bei einer lustigen Spazierfahrt durch den Wald mit der Schmalspurbahn aus.

Wiedermal bei den  Schüleraustauschen war einer der Höhepunkte der 2 ½ tägige Aufenthalt im Balatonszéplak. Bei herrlichstem Hochsommerwetter verbrachte die gesamte Gruppe zwei turbulente Nächte im rustikal jugendgemäßen Freizeitheim der Minoritätenverwaltung von Soroksár am Plattensee. Dabei war ausgiebig Zeit zum Baden, Spielen und Spaß haben zwischen den deutschen und den ungarischen Schülern. Von dem Elternehepaar Horváth wurde nicht nur unser Gepäck mit zwei Fahrzeugen transportiert, sondern wir wurden auch bestens von ihnen und der Leitung des Heims verpflegt. Von dort aus führte uns eine Busfahrt nach Herend, der mittlerweile größten Porzellanmanufaktur Europas, von der Qualität und vom Preis her vergleichbar mit Meißen in Sachsen und Sèvres in Frankreich. Sehr beeindruckend für die Schüler war die Führung durch die Schauwerkstätten, die äußerst anschaulich vor Augen führte, welche Arbeitstechniken bei der Porzellanherstellung und -verarbeitung sowie der Bemalung praktiziert werden, welch eine hohe fachliche Qualifikation erforderlich und wie zeitaufwendig diese reine Handarbeit ist. Der Besuch der nahe gelegenen Burg Nagyvázsony bildete dann den romantisch-schaurigen Abschluss dieses Tages.

Schade, empfanden viele Schülerinnen und Schüler, dass der herrliche Austausch nach so kurzer Zeit schon wieder zu Ende ging. Dank der sehr abwechslungsreichen Gestaltung des Programms durch unsere langjährige Begleiterin, der Lehrerin Magdalena Wagner, dem warmherzigen Empfang in der Schule und ganz besonders in den Gastfamilien ging die Zeit im Fluge vorbei, so dass beim Abschied nur als Trost blieb, dass man sich im Mai 2012 wieder in Nürtingen trifft.  

 

Ungarnaustausch 2010

Am späten Mittwochabend landeten 14 Schüler der Paneuropaschule Soroksár mit ihrer Lehrerin Magdalena Wagner auf dem Stuttgarter Flughafen, doch von Müdigkeit war am Donnerstagmorgen beim Empfang durch Oberbürgermeister Otmar Heirich in der Rathaus-Glashalle nichts zu spüren. Mehr machte den Gästen das nasskalte Wetter zu schaffen, denn schließlich hatten sie Ungarn bei sommerlichen 25 Grad verlassen. Heirich hieß die Gruppe herzlich willkommen und hob die besondere Funktion der Glashalle hervor, die unter anderem als Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Er berichtete von der langen Tradition Nürtingens als Schulstadt und stellte mit Friedrich Hölderlin einen bekannten Nürtinger vor. Der OB kündigte die anstehenden Höhepunkte im Nürtinger Veranstaltungskalender, den Stadtlauf am Freitag und die Musiknacht am Samstag, an. Er dankte allen am Austausch Beteiligten für ihr Engagement und wünschte der Gruppe vergnügliche und interessante Tage. Im Anschluss an den Empfang im Rathaus lernten die jungen Ungarn Nürtingen bei einem ersten Stadtbummel kennen. Am Nachmittag ging es weiter ins Stadtmuseum und auf den Turm der Stadtkirche St. Laurentius. Außerdem steht ein zweitägiger Ausflug an den Bodensee mit Schifffahrt nach Bregenz und einem Abstecher auf den Pfänder sowie einem Besuch im Inatura-Museum in Dornbirn an. Weiter geht es mit einem Ausflug in die Wilhelma, einem Erlebnisrundgang durch Stuttgart sowie der Besichtigung des Mercedes-Benz-Museums. Der Austausch findet seit 1998 statt. Im nächsten Jahr werden die Nürtinger Schüler den Gegenbesuch in Soroksár antreten.

Neckar-Realschüler zum Schüleraustausch 2009 in Ungarn

Im Mai besuchten 14 Schülerinnen und Schüler der Neckar-Realschule unter Begleitung von Schulleiter Rüdiger Illig ihre Partnerschule, die Páneurópa-Schule in Soroksár, dem XXIII. Bezirk der Hauptstadt Ungarns, im Rahmen der Städtepartnerschaft Nürtingen-Soroksár. Es war diesmal der zwölfte Schüeraustausch, der beiderseits von großer Begeisterung getragen wurde. Zuallererst die sprichwörtliche Gastfreundschaft in den aufnehmenden Gastfamilien, die liebevolle Aufnahme in der Schule und schließlich das sehr abwechslungsreiche Besichtigungsprogramm machten auch dieses Jahr den Austausch zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Zwei Tage besuchten unsere Schüler den Unterricht und fanden es als besonders förderlich in Ungarn, dass die Schüler in den Fremdsprachen Deutsch oder Englisch jeweils in der halben Klasse intensiv gefördert werden.

Der erste Ausflug führte nach Veszprém, einer wunderschönen Altstadt mit Befestigungsanlage im Südwesten des Landes. Anschließend besichtigten die Schüler das Klosters Zirc und seine berühmte Bibliothek am Rande des Bakony Waldes. Zwei Ausflugstage widmeten die Gastgeber der Landeshauptstadt Budapest mit der Besichtigung des Budaer Burgberges, der Fischerbastei und der Mathiaskirche, dem Labyrinth einer unterirdischen Fluchtanlage, dem Militär-historischen Museum. Besonders spannend war für die Schüler der Wunderpalast, eine naturwissenschaftliche Ausstellung zum Ausprobieren und zum eigenständigen Erkenntnisgewinn. Das Parlamentsgebäude, der Heldenplatz und das Stadtschlösschen mit der Möglichkeit, sich von der betriebsamen Stadt zu erholen, schlossen diese beiden Tage ab.

Zweifellos der absolute Höhepunkt des Austausches war der dreitägige Aufenthalt in der Unterkunft der Selbstverwaltung in Széplak bei Siófok am Plattensee. Bei gemeinsamen Spielen, beim Sport und beim Baden im Plattensee konnten die Gemeinschaft und  der persönliche Austausch in der Gruppe in ganz besonderer Weise gefordert werden. Von diesem Standort aus machte die Gruppe bei herrlichstem Frühsommerwetter mit Bahn und Schiff einen Ganztagesausflug nach Badacsony am Nordufer. Vorbei ging es durch eine Weinberglandschaft mit herrlichem Ausblick auf den See durchs wunderschöne Naturschutzgebiet auf den höchsten Berg am Plattensee. Eine Ausflugsfahrt nach dem Kloster Majk, westlich von Budapest, der nahe gelegenen ehemaligen Festung Tata, inmitten eines wunderschönen Sees gelegen und einer Wanderung zu den altsteinzeitlichen, hoch über dem Tal gelegenen Höhlen von Tatabánya, rundete das beeindruckende Ausflugsprogramm ab. So war es kein wunder, dass der Abschied am Flughafen allen Beteiligten besonders schwer fiel, man wäre gerne noch eine Weile geblieben. Die Vorfreude auf den Gegenaustausch im nächsten Jahr wischte diese wehmutigen Gedanken doch bald beiseite. 

 

Ungarnaustausch 2008

Schüler aus Soroksár zu Gast

Der Wettergott hieß 16 ungarische Schüler aus Soroksár mit dunklen Wolken, Wind und Regen willkommen, als diese am Montag in Stuttgart landeten und am Dienstag im Nürtinger Rathaus von Oberbürgermeister Otmar Heirich empfangen wurden. Angesichts des vielfältigen Programms und der Gastfreundschaft der Nürtinger Familien tat dies aber der guten Stimmung der Gäste, die zurzeit die Neckar-Realschule besuchen, keinen Abbruch. Der OB sorgte gleich zu Beginn für Erstaunen, als er den Schülern mitteilte, dass der Bau des alten Rathauses ins Jahr 1574 zurückreicht. Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss gab er einen Überblick über das reiche kulturelle Leben und die vielfältige Schullandschaft der Stadt. Im Anschluss an den Empfang lernten die jungen Ungarn Nürtingen bei einem Stadtrundgang kennen. Bis zum Montag haben die Schüler noch einiges vor: Neben einer Führung durch das Daimler-Stadion und der Besichtigung des Mercedes-Benz-Museums stehen noch ein Besuch im Zeppelin-Museum, eine Wanderung nach Birnau und eine Fahrt nach Stuttgart mit Besichtigung des Fernsehturms, des Rosensteinparks und der Wilhelma auf dem Programm. Der Austausch findet seit 1998 statt. Im nächsten Jahr werden die Nürtinger Schüler den Gegenbesuch in Soroksár antreten.

 

Ungarnaustausch 2007

Neun Schülerinnen und Schüler nahmen im Mai am diesjährigen Ungarnaustausch teil. Wir, Marcel Czech, Kathrin Eberbach, Kevin Kasprus, Max Kuhn, Christian und Florian Schumacher, Ronja Schaich, Anita Speier und Saskia Stäge begleitet von Angela Kreim besuchten vom 02. bis zum 10. Mai unsere Partnerstadt Soroksar in Ungarn. Dort wurden wir mit großartiger Gastfreundschaft aufgenommen und erlebten durch ein abwechslungsreiches spannendes Programm einige ereignisreiche und interessante Tage, die uns das Land und die Menschen näher brachten.Das Wochenende am Balaton war für uns besonders einprägsam. Dort waren wir in Bungalows untergebracht, fuhren mit der Fähre zur Halbinsel Tihany, spielten Fußball, und konnten trotz Kälte sogar schwimmen. Die Stadt Budapest mit der Fischerbastei, dem Parlament und dem Heldenplatz gefiel uns auch sehr gut, ebenso der neu eröffnete Wunderpalast, ein Museum für Naturwissenschaft durch Spiele und Experimente sehr attraktiv und kindgerecht aufbereitet. Die landschaftlich schöne Puszta begeisterte uns, ebenso wie das leckere Gulasch und die köstlichen Palatschinken.Die Zeit verging wie im Flug und der Abschied fiel uns nicht leicht. Mit Freude denken wir an die gemeinsamen Erlebnisse zurück und freuen uns auf das Wiedersehen im Mai 2008!

Ungarnaustausch 2006

Noch bis 18. Mai sind zwölf Schüler der Soroksárer Páneurópa-Schule mit ihrer Lehrerin Magdalena Wàgner im Rahmen des Schüleraustauschs mit der Neckarrealschule zu Gast in Nürtingen. Bürgermeister Rolf Siebert hieß die Gäste in der Rathaus-Glashalle herzlich willkommen. „Dank des sonnigen Wetters könnt ihr Nürtingen von der schönsten Seite erleben“, so Siebert. Er ging kurz auf die bauliche Geschichte des Nürtinger Rathauses ein. Siebert hob hervor, wie wichtig es für ein vereintes Europa ist, dass sich die Menschen begegnen und gegenseitig austauschen. Siebert: „Das ist der beste Weg zur Einigung Europas.“ Siebert wünschte den Gästen viel Vergnügen in Nürtingen und bei ihrem abwechslungsreichen Rahmenprogramm: „Nehmt viele schöne Erinnerungen mit.“ In den nächsten Tagen besuchen die ungarischen Gäste das Stadtmuseum und besichtigen die Stadt. Außerdem geht es in die Wilhelma, nach Stuttgart zu einer Stadtbesichtigung, auf den Fernsehturm, nach Ulm und zum Blautopf. Ein Ausflug nach Bad Wimpfen mit einer Stadtführung auf den Spuren von Kaiser, Bürger und Bettelmann, eine Schifffahrt auf dem Neckar, eine Wanderung auf die Burg Guttenberg, eine Flugvorführung der Deutschen Greifenwarte sowie ein Ausflug nach Bad Urach runden alles ab.

Nürtinger Zeitung 12.5.06

Schüleraustausch zwischen der NRS und der Páneurópa-Schule 2005

Mit Begeisterung ob der überwältigenden Gastfreundschaft und etwas Wehmut, dass der elftägige Schüleraustausch der Neckar-Real- schule mit der Páneurópa-Grundschule in Soroksár, dem XXIII. Bezirk von Ungarns Hauptstadt Budapest, so schnell vorüberging, kamen die 13  Schülerinnen und Schüler mit ihrem Rektor Rüdiger Illig zu Beginn der Pfingstferien zurück.

Schon seit 1998 unterhält die NRS enge Bande mit der Paneurópa-Grundschule auf der Basis der Partnerschaft Nürtingens mit Soroksár. Diese haben sich in den letzten Jahren durch besonders persönliche und häufige Kontakte der Austauschlehrer und der Schulleitungen vertieft. Für vier Schüler/innen war es ein freudiges Wiedersehen mit ihren Austausch- partnern, die sie schon von deren Besuch in Nürtingen aus dem Vorjahr kannten. Für die anderen 11-12 Jahre alten Schüler/innen waren die Briefkontakte die Grundlage für das Neuland des Austauschs. 

Wenn man eine Reise unternimmt, dann kann man etwas erzählen, und das fing gleich in Ulm an. Obwohl die Plätze im ICE ab Ulm reserviert waren, ließ die Bahn den ICE an unserem Regionalexpress vorbeiziehen. Statt am selben Gleis in Ulm in 13 Minuten in Ruhe umsteigen zu können, kamen wir erst fünf Minuten nach unserem Anschlusszug an. Somit mussten wir zwei Mal umbuchen und in Soroksár ausrichten lassen, dass wir 100 Minuten später als geplant eintreffen würden. Die Schüler nahmen es dennoch mit Gelassenheit auf, sahen sie doch, dass es sich hier um ein leicht lösbares Problem handelte. Dies hatte den Vorteil, dass einige Schüler, obwohl erst ein gutes halbes Jahr Englisch lernend, von einem älteren amerikanischen Geschäftsmann und seiner Frau in den Speisewagen zu einer Limo eingeladen wurden. Am anderen Morgen konnte dann die Schulleiterin, Anna Renner, die zwischenzeitlich gut ausgeruhten Schüler in der Schule offiziell begrüßen. Die Schüler hatten an zwei Tagen Gelegenheit, am Unterricht ihrer gastgebenden Schüler teilzunehmen. Im Deutsch- und Englischunterricht fiel der Nach- vollzug der Stunde selbstverständlich leicht, der übrige auf Ungarisch gehalte Unterricht forderte die Fantasie der deutschen Gäste voll. Wie gut, dass man sich in den Pausen, in den Familien und mit vielen Lehrkräften fließend auf Deutsch verständigen konnte. Erstaunen löste bei den deutschen Gästen die durchschnittliche Klassengröße von 19 Schülern aus, die dann noch in den Fremdsprachen geteilt wird, wohingegen an der NRS durchschnittlich 28 Schüler in einer Klasse sitzen.

 

 

Die Schüler erfuhren auch, dass sämtliche Klassen gerade neue, schöne Schulmöbel erhalten hatten, nachdem die alten Möbel der Neckar-Realschule über viele Jahre dort gute Aushilfsdienste geleistet hatten. Beim Empfang beim stellvertretenden Bürgermeister Ferenc Szrimácz im Sitzungssaal des Rathauses der Selbstverwaltung übergab Schulleiter Illig einen brandneuen Band von Luftbildaufnahmen des Großraums Stuttgart, verbunden mit den besten Grüßen aus Nürtingen. Gleich anschließend gab es einen kurzen Rundgang durch Soroksár. Am Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg lasen die Schüler nahezu lauter deutsche Namen der Gefallenen. Nach der Besichtigung der barocken Ortskirche wurden sie anschau- lich im Heimatmuseum in die landwirtschaft- liche und handwerkliche Produktions- und Lebensweise von einst eingeführt.

 Am nächsten Tag ging es weit nach Südosten, in den historischen Geschichtspark von Opusztaszer. Dort erfuhren die Schüler in einem der größten 360°-Dioramen die Siedlungsgeschichte Ungarns.

Ein Freilichtmuseum zeigte das alte Landleben. Weiter ging es nach Szeged an der Theiss. Das gerade zurückgehende Hochwasser konnte ganz gut verdeutlichen, wie 1879 fast die ganze Stadt durch einen Dammbruch vernichtet wurde. Mehrere europäische Hauptstädte und das Haus Habsburg brachten Spendengelder auf, so dass heute diese Stadt des einstigen Paprika- uns Salzhandels sich in einem einheitlichen Stadtbild des Jugendstils präsentiert. Dies konnten die Schüler auch am Szegeder Dom feststellen.

Natürlich besichtigte die Gruppe auch die Landeshauptstadt Budapest, die annähernd so viele Einwohner wie der ganze Großraum Stuttgart hat. Die Schüler erlebten die Welt- stadt aus Buda mit dem Burgberg und der Mathiaskirche und dem Stadtzentrum Pest, das sich am anderen Donauufer flach in die ehemalige Puszta ausdehnt. Von der Fischerbastei genoss die Gruppe eine herrliche Aussicht auf Pest, die Brücken über die Donau, das Parlamentsgebäude, den Dom.  Auch für einen kurzen Einkaufsbummel blieb noch etwas Zeit.

In den folgenden Tagen ging es dann mit dem Zug nach Pécs (Fünfkirchen) und mit dem Linienbus an den Balaton (Plattensee). Beeindruckend in Pécs war die nach dem Ende der türkischen Herrschaft wieder aufgebaute Basilika St. Peter und Paul nach dem romanischen Vorbild von Bamberg. Fünf bis sechs Meter tief liegen nahebei die Grabkapellen des frühchristlichen Friedhofs der

 

ehemaligen Römerstadt. Wir besichtigten die schöne Altstadt mit der Moschee des Paschas Hassan, das Steinkohlebergbaumuseum und die Keramikausstellung Zsolnay.

In unserem Jugendheim am Plattensee nahe Siófok verbrachten wir zwei recht unterhaltsame und spannende Tage und Nächte und hatten viel Spaß. Mittels einer Zugfahrt entlang des Plattensees besichtigten wir die hübsche Stadt Keszthe mit dem prächtigen Schloss der Herzöge von Festetics, die bis Oktober 1944 dort lebten. Die schönen, alten Räume im Originalzustand, die riesige Bibliothek, das Kutschenmuseum und die Lage in einem Landschaftspark nach englischen Stil gefielen sehr. Besonders wichtig war, dass die gesamte Austauschgruppe durch gemeinsames Essen und Spielen zusammenwuchs.

Am letzten Tag erlebten wir im Kulturhaus von Soroksár den zwölften Jahrestag der Namensgebung unserer Partnerschule. Otto von Habsburg hatte persönlich diesen Europa-Gedanken der Donauländer an unsere Páneurópa-Schule gebracht. Er hätte sich wohl damals bald nach der Wendezeit noch nicht träumen lassen, dass dieser Name mit der Aufnahme Ungarns am 01.04.2004 als neues Mitglied in der EU eine besondere Strahlkraft erlangte. So genossen wir verschiedene Auf- führungen unterschiedlicher Klassenstufen. Unseren deutschen Schülern wurde erst bei der Darbietung verschiedener Volkstänze bewusst, dass Volkstanz an der Partnerschule auch ein Unterrichtsfach ist. Verschiedene deutsche Volkslieder und eine Szene aus dem Dschungelbuch auf Deutsch rundeten das Programm ab. Ein sehr reichhaltiges Austauschprogramm fand hier seinen würdigen Abschluss.

Wie gut war es dabei auch, dass man am Wochenende dazwischen und auch an einem Nachmittag genügend Zeit im Kreise der Gastfamilie hatte, mit Gasteltern, Geschwistern plaudern, mit den Haustieren spielen oder sich in kleinen Gruppen bei der einen oder anderen Aktivität treffen konnte. Die überwältigende Gastfreundschaft und die überaus warmherzige Aufnahme in den Gastfamilien half in fast allen Fällen rasch vereinzelt aufkommendes Heimweh der meist jüngeren Schüler  zu vergessen.

Das Foto zeigt die Gruppe kurz vor der Abreise am Bahnhof Keleti in Budapest. Genau in der Mitte, die Schulleiterin Anna Renner, rechts außen die betreuende Lehrerin Magdalena Wagner und Schulleiter Illig.