Das Themenorientierte Projekt Soziales Engagement TOP SE

 Im Rahmen des Themenorientierten Projektes Soziales Engagement engagieren sich die Schüler und Schülerinnen der achten Klassen mehrere Stunden in einer sozialen Einrichtung ihrer Wahl (z.B. in Kindergärten, Einrichtungen für Jugendliche oder Pflegestationen).Dadurch erwerben die Schüler vor allem Sozial- und Personalkompetenzen.

Dies bedeutet, sie  

- entwickeln Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Menschen

- erweitern ihre Kommunikationsfähigkeit

- verbessern ihre Teamfähigkeit

- üben soziales Denken, Urteilen und Handeln ein

- erkennen eigene soziale Fähigkeiten und setzen diese für andere ein

- fördern gemeinschaftliches Leben

- erfahren sich selbst als wichtig und gebraucht.  

Darüber hinaus reflektieren und dokumentieren die Schüler und Schülerinnen ihren Prozess in individuellen Projektmappen und stellen darin die jeweilige soziale Einrichtung vor.  

 

Klassenaktivitäten 2007-08

Nürtinger jes-Gruppe zu Gast in Berlin

Im Juni 2007 informierte sich Herr Wilfried Kretschmann, MdL (Bündnis 90 / die Grünen), im Bürgertreff der Stadt Nürtingen über das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in Nürtingen. Eingeladen waren auch Teilnehmer des jes-Projektes „Sonnige Zeiten im Pflegeheim“ sowie zwei Mentorinnen die das Projekt begleiteten. Die Mädchen erzählten über ihre Besuche im Pflegeheim und wie sie mit Hilfe von Kumquatspuppen, Gedächtnistrainingspiele, Gedichte und Lieder mit den Bewohnern übten. Wie das Leben im Alter sein wird, davon hatten sie vorher keine Vorstellung. Viele neue Erfahrungen haben sie in dieser Zeit gewonnen. Eine Teilnehmerin erwägt sogar einen Pflegeberuf zu erlernen. 

Als Folge dieser Begegnung erhielt die Gruppe, von Frau Dr. Uschi Eid, MdB ( Bündnis 90 / die Grünen), eine Einladung zur Informationsreise nach Berlin. Die Reise fand vom 9. bis 12. April 2008 statt. Sechs Jugendliche und zwei Mentorinnen waren mit dabei.In dieser Zeit besuchte die Gruppe unter anderem das Dokumentationszentrum Berliner Mauer, die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (ehemalige Zentrale Untersuchungshaftanstalt der Stasi), den Hackeschen Markt, das Bundesministerium der Verteidigung, eine Plenarsitzung des Bundestages, die Ausstellung „Wege, Irrwege, Unwege – Die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland“ im Deutschen Dom ….  Die Gruppe hatte ein volles Programm. Abends spazierten sie durch die Stadt und suchten noch Andenken für die Verwandten. Für die Jugendlichen und ihre Begleiterinnen gab es viel zu sehen und viel zu lernen.

Hier einige Impressionen der Jugendlichen:

Tobias Austermann (14) :„Unglaublich was Menschen alles anstellen können“ (nach dem Besuch der ehem. Zentrale Untersuchungshaftanstalt der Stasi

Sema Eksi (15) : „Schade, das die Zeit so schnell vorbei war!“.

Gennadi Gerstner (15) : „Am schönsten war die Nofretete“ (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung)

Jan Kasberger (14) : „Oh Mann, das Essen war immer so lecker! Ich wusste nie wofür ich mich entscheiden sollte“.

Duygu Taskin (15) :  „In diesen vier Tagen habe ich mehr über die deutsche Geschichte gelernt, als in einem ganzen Schuljahr. Nur war es hier viel lebendiger. Wir konnten die Mauer anfassen und auf ihre Spuren laufen. Es war toll!“

Patrick Tillmann (15) : „Die Stadt Berlin hat mich sehr beeindruckt. Der Reichstag mit seiner Glaskuppel, die Quadriga am Brandenburger Tor, die abendliche Schifffahrt, das Sony Center am Potsdamerplatz… Es war alles einfach unglaublich schön!“.

Schlusswort der Mentorinnen Gabi Allmendinger und Ana Schaich:     

"Wir freuen uns, dass den Jugendlichen diese Reise geschenkt wurde. Diese Form der Anerkennung hat ihnen gut getan und sie haben die Reise

genossen. Das Projekt hat ihnen gezeigt, wie wichtig es ist sich für andere Menschen einzusetzen. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist und von der

Gesellschaft als eine besondere Leistung anerkannt wird."

 

Klassenaktivitäten 2006/07

Jugend engagiert sich: Einladung nach Stuttgart

Neun Schüler der Neckarrealschule Nürtingen beteiligten sich im Schuljahr 2006/2007 mit 40 Stunden an einem JES-Projekt im Nürtinger Pflegeheim Augustinus. JES steht für Jugend engagiert sich und wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg und dem Paritätischen Bildungswerk getragen. Die Betreuung des Projekts haben die Bürgermentorinnen Gabi Allmendinger, Susanne Martin und Ana Schaich übernommen. Mittwochs und donnerstags besuchte je eine Gruppe das Pflegeheim. Dort bereiteten sie den Bewohnern ein buntes Programm mit ausgedehntem Gedächtnistraining, Singen und Spaziergängen. Die Nachmittage im Pflegeheim wurden mit Hilfe verschiedener Handpuppen gestaltet, durch die die Schüler in verschiedene Rollen schlüpfen konnten. Die Inhalte gestalteten die Schülergruppen selbst mit. Im Anschluss stand regelmäßig eine Reflexionsphase, um den Schülern die Möglichkeit zu geben, mit den Mentorinnen über das Erlebte zu sprechen, Fragen zu klären und neue Ideen einzubringen. Im November sind die Realschüler und die Bürgermentorinnen zur Abschlussveranstaltung mit Präsentation der JES-Projekte nach Stuttgart eingeladen. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Günther Oettinger. cb

Klassenaktivitäten 2005/06

"In den Köpfen hat sich was bewegt"

Neckarrealschüler organisierten Feste für Behinderte – Seit diesem Jahr Teil des Bildungsplans

 

NÜRTINGEN. Ehrenamt steht seit diesem Jahr im Bildungsplan. Realschüler im ganzen Land engagieren sich sozial und bekommen dafür eine Note im Zeugnis. Einige von ihnen kamen im Bürgertreff unter und berichten von ihren Begegnungen mit behinderten Menschen.


Barbara Gosson

"Das Ziel ist, dass die Jugendlichen Menschen kennen lernen, die ihnen sonst kaum begegnen", erläutert Lehrer Jochen Wilhelm von der Neckarrealschule. So sehe es der neue Bildungsplan für die Realschulen vor. Er setzte sich ans Telefon und machte Plätze für seine Schüler ausfindig.
"Mir ist erst mal die Kinnlade runter- gefallen", erzählt Bürgertreff-Leiter Hannes Wezel, als Wilhelm bei ihm anrief und wegen Praktikumsplätzen für 22 Schüler anfragte, die jeder 40 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten sollten. "Das sind zusammen fast 1000 Stunden" errechnete Wezel, machte Nägel mit Köpfen und aus dem Schülerpraktikum ein so genanntes "Jes-Projekt".
Jes steht für "Jugend engagiert sich" und wurde vor fünf Jahren vom Sozialministerium ins Leben gerufen. Mit Mitteln der Landesstiftung und unter der Anleitung des Paritätischen Bildungs -werkes sollen Jugendliche ans Ehrenamt herangeführt werden. Das Projekt der Neckarrealschüler ist das erste dieser Art in Nürtingen. Die Achtklässler der Neckarrealschule – ungefähr 120 Jugendliche – kamen in verschiedenen sozialen Einrichtungen unter.

Am beliebtesten waren die Kindergärten, andere Jugendliche gingen in Sport- vereinen, zum kirchlichen Jugendwerk, in die Kleiderkammer, in Altenheime oder in die Kinderkulturwerkstatt. Im Bürgertreff fanden 22 einen Platz. Wezel beantragte für das Projekt die Jes-Gelder und spannte seine Bürger-mentoren mit ein. "Wir haben das Ganze 'Mittendrin – Achtklässler treffen behinderte Jugendliche' genannt", erklärt Bürgermentorin Lie an Haack. Zuerst gestalteten sechs Schüler in Zusammenarbeit mit dem Café Regenbogen eine Nikolausfeier für die Menschen mit Behinderung aus der Oberboihinger Behindertenwerkstatt. Erst auf der Feier lernten Schüler und Behinderte einander kennen.

Schnell das Eis gebrochen
"Es hat sehr viel Spaß gemacht – das Eis war schnell gebrochen", berichtet Schülerin Christina Zafiridis. "Wir haben zusammen Spiele gemacht und uns echt gut mit den Leuten unterhalten", erinnert sich Yagmur Mogultay. Nach dem Besuch der Behinderten im Bürgertreff organisierte eine weitere Gruppe Schüler unter der Anleitung von Bürgermentorin Anna Schaich einen Gegenbesuch der Realschüler in der Oberboihinger Werkstatt.
Der nächste Besuch in Oberboihingen fand zu Fastnacht statt. Schüler wie Behinderte hatten sich verkleidet und tanzten zusammen. Nun steht ein Besuch im Gottlieb-Daimler-Stadion am 8. April beim Spiel VfB Stuttgart gegen Nürnberg an. Erzählen die jungen Leute davon, ist zu spüren, dass sie schon alles genau geplant haben: wo man sich trifft oder was getan wird, damit keiner verloren geht.
Als Anerkennung bekommen die Schüler auf jeden Fall ein Zertifikat. Auch finden ihre

Leistungen Eingang in ihr Tu-Was-Tagebuch. An 150 Schüler hat es der Bürgertreff in diesem Jahr ausgegeben.
Im nächsten Jahr ist eine andere Jahrgangsstufe 8 dran, ihr soziales Projekt zu machen. Geht es nach Hannes Wezel, war es nicht das letzte zusammen mit dem Bürgertreff. Weitere Jes-Projekte sind bereits beantragt. Schüler Tobias Vollmer berichtet noch von einem von den Auszubildenden der Firma Heller ausgerichteten Turnier, bei dem die beiden aus Behinderten und Schülern bestehenden Mannschaften "Pogo" und "Schnitzeljagd 5" es bis ins Halbfinale geschafft haben. Über das ganze restliche Schuljahr werden Schüler und Behinderte etwas zusammen machen. Der Höhepunkt soll ein Sportfest sein. (siehe Bildergalerie)

Bei den Schülern hat sich etwas bewegt. Tobias hat festgestellt, dass es Spaß macht, mit alten Menschen spazieren zu gehen. Er möchte die alte Frau, die er im Rahmen des Projektes besucht hat, auch danach noch besuchen. Christina liebäugelt mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr. "Seit das Projekt läuft, hat sich in einigen Köpfen etwas verändert", bestätigt Wilhelm. Alles, was die Schüler tun, wird im Unterricht vorbereitet und nachbereitet. Was den Schülern weniger Spaß macht, ist, dass sie benotete Protokolle schreiben müssen. Die andere Hälfte der Note, die im Zeugnis steht, kommt durch die Rückmeldung der Institutionen, in denen der Schüler waren. "Ob es nötig ist, für soziales Engagement Noten zu verteilen?", bezweifeln Wezel und Wilhelm den Sinn der Notengebung.

  Quelle: © Nürtinger Zeitung vom 31.3.06

 

Mit behinderten Menschen ins Stadion gehen

120 Schüler der Nürtinger Neckarrealschule nehmen am Projekt "Jugend engagiert sich" teil

NÜRTINGEN. Die Nürtinger Neckarrealschule beteiligt sich am landesweiten Projekt "Jugend engagiert sich" (Jes). Unterstützt werden die Freiwilligen dabei vom Bürgertreff. Am Samstag wird eine Gruppe gemeinsam mit Behinderten zum VfB-Spiel gehen. 


Von Wolfgang Berger  

Sich für andere Menschen einsetzen und dabei soziale Kompetenzen entwickeln: das ist das vorrangige Ziel des Jes-Projekts, das die Landesstiftung Baden-Württemberg im September 2005 angestoßen hat. Mitmachen können junge Menschen im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren, die Lust haben, sich an Freiwilligenprojekten zu beteiligen. In der Regel dauert das Engagement von drei Monaten bis zu einem Jahr.
Als Jochen Wilhelm, Lehrer an der Neckarrealschule, an den Bürgertreff in Nürtingen (Kreis Esslingen) mit dem Wunsch herantrat, die Schüler beim Aufbau ihres sozialen Engagements zu unterstützen, stießen sie beim Bürgertreffleiter Hannes Wezel auf offene Ohren. Die Einrichtung verfügt über das Wissen, um ehrenamtliches Engagement für konkrete Projekte nutzbar zu machen. Zudem sind dort ausgebildete Mentoren aktiv,

die als Betreuung der Jes-Projekte gebraucht werden. Gabi Almendinger, Ana Schaich und Lie an Haack werden ihre Erfahrungen einbringen und die Freiwilligen beim Projektmanagement unter die Arme greifen.Insgesamt beteiligen sich rund 120 Achtklässler der Neckarrealschule. Neben dem Bürgertreff, dem sich 22 Schüler angeschlossen haben, konnten beispielsweise auch die Kinderkulturwerkstatt, Sportvereine, die Kleiderkammer oder Altenheime als Projektpartner gewonnen werden.Die dem Bürgertreff angeschlossenen Schüler haben ihre freiwillige Tätigkeit "Mittendrin - Achtklässler treffen behinderte Jugendliche" genannt. Geplant ist eine Reihe von Aktionen, bei der die Begegnung mit Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt steht. Am kommenden Samstag beispielsweise wird eine Gruppe von acht Achtklässlern gemeinsam mit acht Behinderten aus der Behindertenwerkstatt Oberboihingen und vier Begleitern ins Gottlieb-Daimler-Stadion gehen, um die Fußball-Bundesligabegegnung zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Nürnberg live zu verfolgen.
Über ihren Einsatz werden die Neckarrealschüler dann am 15. Juli während des Nürtinger Stadtfestes die Öffentlichkeit informieren. Hannes Wezel zufolge werden die Achtklässler ihre Projekte auf einer "Handicap-Meile" darstellen.

Neben der Jes-Gruppe werden dabei all die Initiativen, die in Nürtingen in der Behindertenarbeit tätig sind, mit einem Stand vertreten sein. Bei der Organisation der Meile sollen die Jugendlichen maßgeblich beteiligt sein.
Das Jes-Engagement ist zwar zeitlich begrenzt. Doch die Motivation geht dahin, die freiwillige soziale Verpflichtung auszubauen. "Es zeichnet sich ab, dass die Jugendlichen darüber hinaus einen Besuchsdienst im Altenheim auf den Weg bringen wollen", sagt Hannes Wezel.Eine Gruppe von Neckarrealschülern will die Bewohner des Christopherus-Hauses in der Europastraße besuchen, um mit den Senioren spazieren zu gehen und ins Gespräch zu kommen. Für ihr Engagement erhalten die Schüler neben einem Zertifikat außerdem auch Schulnoten. "Das halte ich für sehr fraglich", sagt Wezel. "Engagement ist in der Weise nicht bewertbar", sagt der Leiter des Bürgertreffs und ist sich in dem Punkt mit Jochen Wilhelm einig. Gleichwohl soll es weitere Jes-Projekte geben. Der Bürgertreff will auch in Zukunft dafür Hilfestellung leisten.

  Quelle: © Stuttgarter Zeitung vom 04.04.06